Polizeiball 2025

geschrieben von Louis Gebhardt

Vorwort

Herzlich willkommen, liebe Tanzsportinteressierte, zum Blog der Tanzsportwelt der Höllriegl‘s.
Ein neu gegründeter Verein ohne praktische Vorerfahrung in der Welt des professionellen Formationstanzsports.

Mit unseren Reportagen möchten wir unsere Turniererfahrungen mit euch teilen und euch somit auf unsere Reise mitnehmen, welche für uns hoffentlich voller erinnerungswürdiger Erlebnisse wird. Hiermit laden wir euch herzlich ein mit den Erzählungen von jungen Tänzerinnen und Tänzern, in eine andere Welt einzutauchen. In das Spektakel, welches man sonst nur voller Glitzer, Glanz und Glimmer kennt. Eine Welt, in der neben Vorfreude, Ehrgeiz und Hoffnung auch Enttäuschungen, Tränen und Kritik Platz haben müssen.

Erfahrt in diesem Text – verfasst und aus der Sicht von Louis Gebhardt – was alles außerhalb der Turniersaison geschehen kann.
Viel Vergnügen! 

Reportage

Lesedauer etwa 10 Minuten

Alle Bilder und Videos hierzu hier.

Zuerst einmal…

            Hey, ich bin Louis (oder auch Gebi) und werde euch einen kleinen Einblick in unseren Polizeiball-Auftritt 2025 geben.
            Wie jedes Jahr wurden wir auch diesmal von der Polizei eingeladen, auf ihrem Ball eine Show zu präsentieren. Für gewöhnlich handelt es sich dabei um eine extra für diesen Abend einstudierte Choreografie, auf die wir Tänzer jedes Jahr gespannt sind.

            Da wir aber meist erst sehr spät erfahren, welches Thema oder welche Richtung die Veranstalter sich wünschen, bleiben uns in der Regel nur wenige Trainings (dieses Jahr waren es fünf plus Generalprobe), bis die große Show stehen muss.
            Geplant war ein Zusammenschnitt aus unserer Sommerserenade. Dass sich unsere Trainerin aber noch ein paar Besonderheiten einfallen lässt, war natürlich nicht auszuschließen …

Samstags und sonntags in der Tanzschule
5 Wochen Training

            Nach einer langen Sommerpause fand endlich das erste Training statt, bei dem wir erfuhren, um was für eine Show es sich dieses Jahr handeln würde. Es stellte sich heraus: Sie wird lang. Tatsächlich sehr lang. Gleich doppelt so lang wie im letzten Jahr. Ganze 25 Minuten (!) sollte unser Stück dauern.

            Natürlich waren bekannte Stücke dabei, die allerdings alle in ein Stück zusammengeschnitten wurden, und das sehr ungewöhnlich, ohne Pause dazwischen. Es stellte sich mir sofort eine ganze Reihe Fragen: Was ist, wenn man gleich mehrere Stücke tanzen muss? Wie läuft das mit dem Umziehen dazwischen? Wie sind die Übergänge? Und wie sollen wir das alles bitte in sechs Wochen schaffen?

            Es waren allerdings nicht nur Stücke aus unserer Sommerserenade. Mitten im Stück waren rund sechs Minuten K-Pop eingeplant – mit dem ich persönlich ja gar nichts anfangen konnte. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: In sechs Wochen würde ich K-Pop auf einer großen Fläche vor einem noch größeren Publikum tanzen.

My little Soda Pop! – Was???

            Zwei Wochen nach Beginn des ersten Trainings wurde ich einer ominösen WhatsApp-Gruppe mit dem Namen „Soda Pop“ hinzugefügt. Mir wurde relativ schnell klar, worum es sich handelte, nachdem ich sah, dass Emi, unsere Trainerin, die Gruppe erstellt hatte.

            Zusammen mit vier weiteren Hip-Hop-„Enthusiasten“ (hust) durfte (musste) ich ein K-Pop-Stück lernen. Für den Polizeiball. In vier Wochen.
            Dass meine Begeisterung nicht irgendwo zwischen „Gar kein Bock“ und „Bitte holt mich hier raus!“ schwankte, wäre gelogen (ich glaube, ich spreche da für alle fünf Jungs). Allerdings stellte sich ziemlich schnell heraus, dass es doch richtig Spaß machte, dieses Stück gemeinsam zu tanzen.

            Letztlich hat es uns sogar so sehr gepackt, dass wir uns mehrmals unter der Woche getroffen haben, um unser Stück zu perfektionieren.

Weiter im Text:

            Ich könnte noch einiges über diese (zugegeben chaotischen) Wochen vor dem Polizeiball erzählen, aber ihr wollt vermutlich auch etwas über den Auftrittstag selbst erfahren.

Samstag, der 25.10.2025, 12:30 Uhr
Die Generalprobe

            Natürlich verschlafen. Warum immer an so wichtigen Tagen?

            In 30 Minuten sollte ich in der Max-Reger-Halle sein. Sollte machbar sein.
            Als ich durch den Künstlereingang hineinging, sah ich viele (eigentlich alle) mit Kleidersack, Kleid oder Hemd in der Hand.

            Wo waren meine Kostüme? Natürlich – zu Hause. Wo sonst.
            Emi war davon, wie auch zu erwarten, gar nicht begeistert. Endlich hatten wir mal die Chance, alles durchzugehen: mit Fläche, mit Licht und mit Kostüm, was vor allem wichtig war, um zu sehen, ob das Gesamtbild stimmig ist. Und natürlich: Es scheiterte an mir.

            Da die Generalprobe aber schon begonnen hatte, konnte ich nicht mehr zurückfahren, also musste ich jemanden organisieren, der mir meine Kostüme bringt. Zum Glück hat das geklappt, und wir konnten nach einem Durchgang ohne Kostüm die Show einmal so tanzen, wie sie später am Abend aufgeführt werden sollte.

            Was mir bei diesem Durchgang auffiel: Das mit dem Umziehen ist stressiger als gedacht.
            Was würde passieren, wenn man es nicht rechtzeitig schafft? Wenn ein Stück fließend ins nächste übergeht, fehlt jeder, der nicht pünktlich bereitsteht, im Bild. Und ein fehlender Tänzer fällt eben auf, egal wie gut der Rest tanzt.

            Die Generalprobe war insgesamt ohnehin schon eine Herausforderung. Zum ersten Mal hatten wir die gesamte Fläche zur Verfügung, was bedeutete, dass alle Wege viel länger und die Abstände größer waren als im Training. Nach besagten zwei Durchgängen war die Generalprobe auch schon wieder rum. Und es blieb uns wenig Zeit, um uns um Tänzerisches zu kümmern, da der Hauptfokus eher auf dem Licht lag, das erst noch auf unsere Positionen eingestellt werden musste. Deshalb wurde die Probe auf Video aufgenommen, damit wir in Eigenregie unsere Fehler ausbessern können.

Für Üben keine Zeit

            Dafür blieb mir und einigen anderen aber nicht viel Zeit, denn der Polizeiball war nicht unser einziger Auftritt an diesem Abend. Nachdem die Generalprobe gegen 16:15 Uhr vorbei war, trafen wir uns um 18:15 Uhr im Studio, um uns für den Latein-A-Auftritt beim VFV in Vohenstrauß vorzubereiten, der um 21 Uhr stattfinden sollte.
            Da unser Polizeiball-Auftritt um 23 Uhr geplant war, mussten wir uns nach dem Auftritt in Vohenstrauß ziemlich beeilen.

            Die Show dort verlief reibungslos, also konnten wir uns auf den Weg nach Weiden machen.

Der Auftritt

            Angekommen in der Max-Reger-Halle blieb uns noch knapp eine Stunde bis zur großen Show. Diese nutzten wir, um uns aufzuwärmen und uns mental auf die bevorstehenden knappen 30 Minuten vorzubereiten.

            Als es endlich soweit war, stellten wir uns alle auf Position. Geplant war, bei Beginn der Musik von allen Seiten auf die Bühne zu tanzen.
            Problem: Wir hörten den Beginn der Musik nicht. Besser gesagt: Man konnte ihn nicht hören. Es gab ein Technikproblem, die Musik lief auf lautlos.

            Als sie schließlich aufgedreht wurde, waren bereits die ersten 15 Sekunden, also der Teil, um auf die Fläche zu laufen, vorbei. Mist.

            Etwas verwirrt stolperten wir auf die Fläche und wussten nicht recht, ob wir einfach mittendrin einsteigen oder auf den nächsten Einsatz warten sollten.
            Sei es Glück oder gute Intuition: Wir schafften es irgendwie, alle 34 Tänzer gleichzeitig wieder einzusteigen. Das Publikum hat davon nichts bemerkt (abgesehen vielleicht von unseren verwirrten Gesichtern) – wir improvisierten bis zum Einsatz.

            Direkt im Anschluss folgte unser Latein-A-Stück, das wir zwei Stunden zuvor schon in Vohenstrauß getanzt hatten – auch hier ein voller Erfolg, obwohl wir eine komplett andere Version tanzten: Da mehrere Tänzer ausfielen, musste ich noch zwei Stunden zuvor auf einer ganz anderen Position tanzen. Anders als befürchtet ist es mir jedoch gelungen, beide Positionen auseinanderzuhalten und nicht falsch zu stehen.

            Danach sprintete ich hinter die Bühne, um mich für meine nächsten Stücke umzuziehen: Soda Pop und Standard T.
            Wir fünf Jungs waren natürlich aufgeregt, schließlich hatten wir alle noch nie wirklich Hip-Hop zu einem solchen Anlass, auf einer solchen Bühne getanzt. Zu unserem Kostüm gehörten auch schwarze Sonnenbrillen. Geplant war, sie an einer bestimmten Stelle zur Seite zu werfen, was, wie sollte es auch anders sein, nicht ganz nach Plan lief.

            Zunächst mussten wir überhaupt unseren Einsatz heraushören, der vorher mehrfach geändert worden war. Als das endlich klappte, dachten wir, viel könne jetzt nicht mehr schiefgehen. Immerhin hatten wir den Rest oft genug geübt.
            Allerdings ohne Sonnenbrillen. Diese spontane Idee wurde so knapp bestellt, dass die schwarzen Brillen erst an diesem Nachmittag bei einem der Jungs ankamen. Während ich und einer der anderen Jungs uns bereits für den Auftritt in Vohenstrauß vorbereitet hatten.

            Zurück zum Auftritt: Mitten im Stück macht jeder nacheinander eine Pose und wirft die Brille nach hinten, wo sie niemand stören sollte. Im Anschluss folgt für mich eine Schleuder, bei der ich mich am Arm eines Mittänzers festhalte und mich über den Boden schleudere. So der Plan.
            Blöd nur, dass eine der Brillen an meinem Fuß abprallte und nun direkt unter mir lag.

            Ich dachte mir: „The show must go on“ und sprang trotzdem in die Schleuder.
            Irgendwie gelang es mir, im Fallen die Brille aufzuheben und sie nach der kompletten Drehung beim Hochkommen noch nach hinten zu werfen. Bis heute frage ich mich, wie das eigentlich möglich war.

            Viel Zeit zum Staunen blieb mir aber nicht, da das Stück ja noch nicht zu Ende war und Standard T direkt folgte. Da wir dieses Stück nun schon seit einem Jahr tanzten und ich mich in diesem ziemlich sicher fühle, machte ich mir relativ wenig Gedanken um diesen Part und war mental schon beim nächsten Stück.
            Wie erwartet lief alles glatt, und ich konnte mich auf meinen letzten Auftritt und gleichzeitig das große Finale vorbereiten: Rock’n’Roll (RnR).

            Normalerweise bin ich vor RnR-Auftritten am nervösesten, weil in diesen mit der Akrobatik am meisten schiefgehen kann. Diesmal blieb mir dafür aber gar keine Zeit, denn nach einem weiteren schnellen Umziehen ging es direkt weiter. Jetzt hieß es: noch einmal alle Kraft sammeln und der Show einen würdigen Abschluss bieten.
            Tatsächlich waren von vier Paaren, die normalerweise das RnR-Stück tanzten, nur zwei da. Das bedeutet, dass Fehler umso mehr auffallen. Deshalb war ich erleichtert, dass wir das Stück gut über die Bühne kriegen konnten.

            Das markierte so das Ende einer gelungenen, wenn auch anstrengenden Show.

Abschlussgedanken

            Ich möchte mich zum Abschluss noch einmal bei unseren beiden Trainerinnen Emi und Claudia bedanken, die uns Tänzern diesen Auftritt ermöglicht und alle präsentierten Formationen einstudiert haben.

            Ich glaube, jeder Einzelne von uns 34 Tänzern hat zu diesem Tag seine ganz eigene Geschichte zu erzählen, da jeder unterschiedliche Shows mittanzte.
            Ich hoffe aber, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben, wie ich persönlich den Abend erlebt habe.

            Obwohl ich anfangs, besonders wegen des K-Pop-Teils, eher skeptisch war, hatte ich an diesem Abend unglaublich viel Spaß.
            Ich hoffe sehr, dass in Zukunft noch mehr solcher „Großproduktionen“ geplant sind, denn sie fördern, wie ich finde, nicht nur den Teamgeist, sondern auch den Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung innerhalb der Truppe.

Ein intensiver Auftritt:
Lang und abwechslungsreich

Louis beschreibt in seiner Nacherzählung sein Erlebnis mit der Sonnenbrille.
Einen Loop davon könnt ihr bald auf Instagram sehen ;P

Hier allerdings präsentieren wir euch einen Zusammenschnitt von Louis Shows am Polizeiball.

Die Videos wurden von Vereinsmitgliedern erstellt und alle Beteiligten haben der Veröffentlichung zugestimmt.

Tanzkunst auf höchstem Niveau –
25 Minuten voller Tanz, Energie & Emotion

Mit einem mitreißenden 25-minütigen Showprogramm sorgte der TSW Höllriegl am Polizeiball 2025 für Gänsehautmomente.
Ausdrucksstarke Choreografien, Teamgeist und Leidenschaft – diese Galerie erzählt die Geschichte in Bildern und hält die besonderen Momente lebendig.

Latein-A

Steppen

Applaus

Louis Gebhardt

Autor

„Ich glaube, jeder Einzelne von uns hat zu diesem Tag seine ganz eigene Geschichte zu erzählen, da jeder unterschiedliche Shows mittanzte.
Ich hoffe aber, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben, wie ich persönlich den Abend erlebt habe.“