
Stadtball 2026
geschrieben von Domenico Marino
Vorwort
Herzlich willkommen, liebe Tanzsportinteressierte, zum Blog der Tanzsportwelt der Höllriegl‘s.
Ein neu gegründeter Verein ohne praktische Vorerfahrung in der Welt des professionellen Formationstanzsports.
Mit unseren Reportagen möchten wir unsere Turniererfahrungen mit euch teilen und euch somit auf unsere Reise mitnehmen, welche für uns hoffentlich voller erinnerungswürdiger Erlebnisse wird. Hiermit laden wir euch herzlich ein mit den Erzählungen von jungen Tänzerinnen und Tänzern, in eine andere Welt einzutauchen. In das Spektakel, welches man sonst nur voller Glitzer, Glanz und Glimmer kennt. Eine Welt, in der neben Vorfreude, Ehrgeiz und Hoffnung auch Enttäuschungen, Tränen und Kritik Platz haben müssen.
Erfahrt in diesem Text – verfasst und aus der Sicht von Domenico Marino – was alles außerhalb der Turniersaison geschehen kann.
Viel Vergnügen!
Reportage
Lesedauer etwa 11 Minuten
Alle Beweise hierzu hier.
Wer bin ich eigentlich?
Hallo, ich bin Domenico Marino und Mitglied der Formationen des TSW Höllriegl. Wie ich nur allzu oft von meiner Familie erinnert werde, gehörte ich zu den Jungs, welche erst nach monatelanger Überzeugung durch ihre Mutter und vielen gescheiterten Widerworten dazu „überzeugt“ werden konnten, beim Schülertanzkurs mitzumachen. Wie das Ganze dann ausging, könnt ihr euch bestimmt dadurch schon denken, dass ich nun hier als Autor einer Reportage über einen Formationsauftritt am Stadtball gelistet bin, aber hier trotzdem nochmal eine Kurzversion:
November 2019
Wie bin ich überhaupt hier gelandet?
Nachdem ich dann meine erste Tanzstunde besucht hatte, packte mich das Tanzen sofort und so war ich dann zwei Tage später schon wieder da und nicht einmal drei Wochen später waren es dann schon sechs Tage pro Woche. Das Ganze ist nun bald sieben Jahre her und mit der Zeit hatten es Claudia und Emilie geschafft, mich nicht nur dauerhaft in ihren Kursen zu halten, sondern mich sogar für den Formationstanz zu begeistern.
Juni 2025
Der Einstieg
Da ich mich nicht überzeugen ließ, bei der ersten Turniersaison unseres Vereins mitzutanzen, schaffte es Claudia, mich nun doch zu überzeugen, neben meiner Aktivität in der Standard-A- und RnR-C-Formation nun auch einen Tänzer der Standard-Turnier-Formation zu ersetzen, welcher zuvor seinen Austritt angekündigt hatte. Eine Woche später stand ich dann auch schon im Training und durfte zwischen den verschiedenen Stellen wechseln, um ein Gefühl für die Gruppe und die Formation zu bekommen. Auch sollte so in Erfahrung gebracht werden, auf welcher Stelle ich denn vermutlich vielleicht irgendwann mal tanzen könnte.
Januar 2026
Das Trainingscamp
Vom 2. bis 4. Januar fand das Trainingscamp unserer Formation statt. Meine Aussicht darauf war eigentlich recht neutral, denn nachdem ich bereits beim Polizeiball für unseren verletzten Springer tanzen sollte und auf dem Abschlussball in Erbendorf meinen ersten planmäßigen Auftritt hatte, war ich für die kommende Saison für keinen Auftritt eingeplant, da die Formation nun wieder komplett besetzt war und ich mich für die Auftritte auf meiner Stelle in unserer anderen Standardformation konzentrieren sollte. Daher dachte ich, bei den Durchgängen auf keiner Stelle zu tanzen – selten lag ich so falsch.
Während unsere Tänzer Technik perfektionierten, sich in der Choreo aufeinander abstimmten, Schritte übten und allgemein der Formation den letzten Schliff geben wollten, hatte ich noch eine ganz andere Beschäftigung. Bei meinem Traum eines entspannten Trainingscamps hatte ich leider eine Sache noch nicht gewusst: Wir waren in keinem einzigen Block vollständig.
So verbrachte ich das Wochenende damit, mit beinahe allen Frauen, kurzzeitig sogar selbst die Frauenschritte, auf fast allen Stellen zu tanzen und diese teilweise selbst in den Trainings Blocks mehrfach zu wechseln. Was mir zu diesem Zeitpunkt als teils belustigend, aber auch anstrengend und stressig vorkam, sollte allerdings nur eine Woche später rettend für den Auftritt sein, über den diese Reportage noch gehen soll.
10. Januar 2026
ADTV-Tanzschule „Die Höllriegl’s“, 14 Uhr
Ein fehlendes Paar Schuhe?
Eine Woche nach unserem Trainingscamp war das finale Training für den Auftritt am Stadtball des selbigen Abends. Da ich folgend sowieso Training hatte und als Neuling der Formation dachte, in diesem Training für die Auftrittsbesetzung bestimmt noch etwas aufgreifen zu können, selbst wenn ich nicht Teil der Aufstellung war, beschloss ich, früher zu kommen, um mir jenes Training anzusehen und den Tänzern und bei dem Getanzten auch unserer Trainerin moralischen Beistand zu leisten xD. Besonders interessant war es hier, all die Stellen, welche ich eine Woche zuvor selbst noch versucht habe zu tanzen, zum ersten Mal seit langem wieder von außen zusammenarbeiten zu sehen.
So nahm die Stellprobe ihren Lauf und zwischen zahlreichen Durchgängen, Tadel der Trainerin sowie anschließender Verbesserung wurde festgestellt, dass ein Tänzer kein komplettes Kostüm besaß … die Schuhe waren nicht vorhanden.
ADTV-Tanzschule „Die Höllriegl’s“, 15 Uhr
Da war man mal 5 Minuten nicht da!
Nach meinem letzten Stand der Dinge wurden dem Tänzer durch ein anderes Formationsmitglied, Hannes Biersack, die fehlenden Auftrittsschuhe geliehen und die
Formation tanzte gerade den letzten Durchgang der Stellprobe. Mit diesem Gedanken verabschiedete ich mich vorerst, um meine Freundin für das folgende Training der
Lateinformation abzuholen. Im Auto machten wir noch Pläne, was wir am Abend zusammen unternehmen könnten, nichtsahnend, dass wir jenen Abend auf dem Stadtball verbringen würden.
Gerade als wir am Parkplatz der Tanzschule ausstiegen, kam uns auch schon jener Formationstänzer entgegen, welcher keine Schuhe besaß. Kurz begrüßt, sagte er mir auch schon, dass ich am Abend seine Stelle auf dem Auftritt tanzen sollte, und wünschte mir viel Glück.
ADTV-Tanzschule „Die Höllriegl’s“, 15 – 16 Uhr
Ein Lateintraining, viele Gedanken
Meine Gedanken begannen zu rasen: Zwar gehörte seine Stelle zu jenen, welche ich eine Woche zuvor spontan getanzt hatte, allerdings nie vollständig mit Partnerin auf Musik. Zusätzlich war ich nicht vorbereitet, den Abend auf dem Stadtball zu verbringen, somit waren weder Kostüm noch Anzug vorbereitet und das Lustigste daran? Ich stand gerade im Training der Lateinformation und der Treffpunkt für den Stadtball war knapp 2 Stunden nach Trainingsende. Großzügigerweise fuhr Hannes erneut zur Tanzschule, um nun nicht mir seine Lackschuhe, sondern seinen Gürtel zu borgen. Meinen hatte ich ungünstigerweise verlegt und der Ersatz war noch nicht angekommen. Nach dem Lateintraining hieß es für mich:
Schleunigst zum Auto und dann schnell nach Hause.
Weiden, 16:30 Uhr
Der Startschuss
Zuhause angekommen, begann der Wettlauf gegen die Zeit. Schnell unter die Dusche gesprungen, meine eigenen Lackschuhe gesucht und mit meinem Kostüm zusammengepackt, saß ich nun im Anzug da und nutzte die letzten freien Minuten, um meine Gedanken zu sammeln sowie mir mithilfe der Aufnahmen vergangener Auftritte genau jenes in Erinnerung zu rufen, das ich mir ohnehin nie merken konnte: meine Stellen in der Choreographie. War das nun eine Gerade oder eine Schräge Stehe ich nun auf Lücke zwischen zwei Paaren oder hinter einer davon? Wieso kommt mir das Paar auf einmal so nahe oder warum stehe ich auf einmal da wie bestellt und nicht abgeholt? Meine Partnerin tat mir jetzt schon leid.
Max-Reger-Halle Weiden, 17:40 Uhr
Die Stellprobe
An der Stadthalle angekommen, brachte ich zunächst mein Kostüm und meinen Rucksack in die Garderobe und wartete auf meine Tanzpartnerin, denn wir hatten uns zuvor verabredet, uns nach Möglichkeit schon kurz vor der Stellprobe zu treffen, um zumindest ohne Musik unsere Schritte einmal zusammen durchgehen zu können und das Stück zwar ohne Choreo und andere Paare, aber zusammenhängend zu tanzen. Nachdem sie dann auch eingetroffen war und wir uns möglichst aufeinander eingestimmt hatten, kam auch schon der Großteil der anderen Paare auch schon und wir konnten beginnen, unsere Choreografie auf dem Parkett der Stadthalle durchzugehen.
Mit jedem besprochenen Choreowechsel konnte ich mich zwar mehr an die Stelle erinnern, welche ich eine Woche zuvor sporadisch getanzt hatte, allerdings kamen auch immer mehr Fragen auf. Fragen, für deren Antwort leider nicht immer die Zeit war. So ging es weiter, die Uhr tickte, denn wir waren nicht die einzige Show, welche eine Stellprobe auf der Fläche hatte, und der Ball würde in einer knappen Stunde eröffnet werden. So gingen wir in der Zeit, die wir hatten, die Choreographie Wechsel für Wechsel durch. Nur der erhoffte Durchgang mit Musik auf dieser mir-unvertrauten Stelle blieb leider verwehrt, denn die Zeit war gekommen, in die Garderobe zurückzukehren und sich für den Auftritt vorzubereiten.
Max-Reger-Halle Weiden, 20:30 Uhr
Ein unerwarteter Auftritt
Die Zeit war gekommen: Während die Aufregung in den letzten Stunden stetig stieg, Minute um Minute verging, Kostüme angezogen und Schuhe aufgeraut wurden, gab es nun kein Zurück mehr. Wir standen vor den geschlossenen Türen des Alleneingangs, welche sich in nur wenigen Sekunden öffnen würden. Wir sollten in nur wenigen Augenblicken den Abend
mit unserem Auftritt eröffnen, ich war alles andere als bereit.
Die Türen öffneten sich und wir gingen langsam am Hallenrand entlang, bis wir endlich am Rand der Tanzfläche ankamen. Durch das Signal des ersten Tänzers unserer Reihe betraten wir das Parkett und nahmen unsere Aufstellung ein. Es war nicht mein erster Auftritt in dieser Stadthalle, nicht einmal mein erster Auftritt mit diesem Stück in dieser Halle, aber trotzdem hatte ich nie solch ein Gefühl von Ungewissheit von dem, was folgen würde.
Was lässt sich zu diesem Auftritt nun sagen? War er perfekt? Sicher nicht! War er besser als befürchtet? Definitiv!
Natürlich stand ich nicht perfekt in jedem Bild, nicht einmal annähernd (aber wann tue ich das schon mal?), aber trotz meiner eleganten Unfähigkeit, auf Hinweise meiner Partnerin zu reagieren, wenn wir gerade falsch stehen, haben wir es trotzdem geschafft, es halbwegs richtig aussehen zu lassen, was ich an jenem Abend so versucht habe.
So war der Auftritt dann auch schneller wieder vorbei, als man denken könnte, und nachdem wir mit dem ersten Wiener Walzer auch die Tanzfläche für alle Gäste eröffnet hatten, machten wir uns auf den Weg zurück in unsere Umkleide, wo sich unsere Latein-A-Formation schon für ihren eigenen Auftritt schick machte. Bei dem Anblick war ich für meinen Teil froh, dass ich für diesen Abend fertig war und nicht noch einen zweiten Auftritt tanzen sollte.
Der Heimweg
Kurz nach dem Auftritt unserer Latein-A-Formation und „Kommt! Lasst uns schnell noch ein Gruppenfoto machen“-Anweisung von unserer Trainerin machten sich meine Freundin – sie hatte unseren Auftritt gefilmt – und ich uns auf den Heimweg, denn auch wenn ich an diesem ereignisvollen Tag viel Spaß hatte, war nun auch mal genug des Guten. Am Auto angelangt, stellte sich allerdings schon die nächste Herausforderung: Die Scheiben waren beidseitig gefroren.
Man weiß nun mal einfach nie, was ein gewöhnlicher Tag so bereithält und ob man nicht wegen fehlender oder nicht passender Schuhe spontan auf einem Stadtball steht.
Ein kleines Dankeschön
Da möchte ich doch gleich die Gelegenheit nutzen und mich bei ein paar Leuten bedanken:
- Danke an unsere Tanzlehrerin Claudia, dass sie mich seit meinem Schülerkurs begeistern konnte, 6 Jahre später immer noch dabei zu sein und mich auch in den anderen Formationen unterrichtet.
- Vielen Dank noch einmal an Claudia und Laura, ebenfalls eine Tänzerin dieser Formation, dass ihr mich überzeugt habt, überhaupt in diese Formation zu kommen. (Ja, man muss mich wirklich immer zu meinem Glück zwingen.)
- Danke an meine Freundin, dass sie mich trotz solcher spontaner Eskapaden unterstützt und aushält, auch wenn diese nicht gerade selten bei mir sind.
- Vielen Dank an Emi, dass sie mich trotz gescheiterter Versuche, mir choreografisches Denken beizubringen, immer noch in unserer Standard-Turnier-Formation tanzen lässt.
- Und ein großer Dank an meine Mutter. Ohne dich hätte ich niemals mit dem Tanzen angefangen. Du unterstützt mich seit dem ersten Tag tatkräftig und hast mir all das überhaupt ermöglicht.
Ein Abend, den man nicht planen kann – Eindrücke vom Stadtball 2026
Vom spontanen Einspringen bis zum großen Auftritt in der Max-Reger-Halle – der Stadtball 2026 hielt für unsere Formation so manche Überraschung bereit. Diese Bilder nehmen euch noch einmal mit hinter die Kulissen, auf die Tanzfläche und mitten hinein in einen besonderen Abend voller Aufregung, Teamgeist und natürlich ganz viel Tanz.

Vorbereitungen vor dem Auftritt

Kurz vor dem Auftritt

Ein-Einmarsch

Einmarsch*

Einmarsch*

Wiener Walzer Rad*

Wiener Walzer*

Mitten in Bewegung*

Der letzte Tango

Schlusspose

Auftritt der Latein-A-Formation

Gruppenfoto Nr. 1

Gruppenfoto Nr. 2

Gruppenfoto Nr. 3

Gruppenfoto Nr. 4

Fotobox Bilder Nr. 1

Fotobox Bilder Nr. 2

Fotobox Bilder Nr. 3

Fotobox Bilder Nr. 4
Alle mit * markierten Bilder wurden vom Fotografen Hannes Stock erstellt

Domenico Marino
Autor
„Man weiß nun mal einfach nie, was ein gewöhnlicher Tag so bereithält und ob man nicht wegen fehlender oder nicht passender Schuhe spontan auf einem Stadtball steht.“
