Turnier Rüsselsheim 2026

geschrieben von Selina Kellner

Vorwort

Herzlich willkommen, liebe Tanzsportinteressierte, zum Blog der Tanzsportwelt der Höllriegl‘s.
Ein 2024/25 gegründeter Verein vorerst ohne praktische Vorerfahrung in der Welt des professionellen Formationstanzsports.

Mit unseren Reportagen möchten wir unsere Turniererfahrungen mit euch teilen und euch somit auf unsere Reise mitnehmen, welche für uns hoffentlich voller erinnerungswürdiger Erlebnisse wird. Hiermit laden wir euch herzlich ein mit den Erzählungen von jungen Tänzerinnen und Tänzern, in eine andere Welt einzutauchen. In das Spektakel, welches man sonst nur voller Glitzer, Glanz und Glimmer kennt. Eine Welt, in der neben Vorfreude, Ehrgeiz und Hoffnung auch Enttäuschungen, Tränen und Kritik Platz haben müssen.

Erfahrt in diesem Text – verfasst und aus der Sicht von Selina Kellner – was beim letzten Ligaturnier der Saison 2026 passiert ist.
Viel Vergnügen! 

Reportage

Lesedauer etwa 12 Minuten

Fotos hierzu hier.

Zuerst einmal…

            Hi, ich bin Selina, Mitglied der Standard-Turnier-Formation, und für mich war es das erste Turnier der Saison 2026. Letztes Jahr habe ich auch auf genau diesem Turnier in Rüsselsheim getanzt, also kannte ich mich dort schon aus. Was man sonst noch anmerken könnte: Ich bin leider bekannt für meine Kreislaufprobleme, die mir oftmals einen Strich durch die Rechnung machen. Aber zum Glück geht es während den Auftritten eigentlich immer gut und ich sorge mit tonnenweise Traubenzucker vor. Welche Bedeutung das hier hat, werdet ihr gleich lesen…

Sonntag, der 01.03.2026
7:00 Uhr, Rüsselsheim

            Während mein Freund und ich gerade in unserem AirBnB aufwachen, sind die anderen Formationsmitglieder bereits seit mindestens 2 Stunden unterwegs. Wir haben an diesem Tag die entspanntere Variante gewählt und sind nach einem Kurztrip direkt nach Rüsselsheim gefahren. Dort haben wir in einem tollen AirBnB mit den allerliebsten Gastgebern, die man sich nur wünschen kann, übernachtet. So sind wir also ausgeschlafen und entspannt um 7 Uhr aufgewacht, während der Rest unserer beiden Formationen sich bereits um 4:30 Uhr an der Tanzschule in Weiden getroffen hat. Von dort aus sind sie gemeinsam mit einem Bus nach Rüsselsheim gefahren und wir wollten sie dann direkt an der Großsporthalle treffen. So zumindest der Plan…

9:00 Uhr, Parkplatz vor der Großsporthalle

            Als wir um kurz vor 9 Uhr überpünktlich am Parkplatz der Halle draußen gewartet haben, sind sie aber lange Zeit nicht gekommen – obwohl sie längst hätten da sein müssen. Wir waren zuvor mit mehreren Formationsmitgliedern in Kontakt und hatten die Info, dass sie fast da sind. Aber auf dem Parkplatz ist kein Bus eingefahren. Irgendwann haben wir uns dann dazu entschieden, dass wir trotzdem schon mal zum Eingang gehen. Gute Entscheidung! Denn alle anderen waren bereits drinnen. Der Bus kam anscheinend aus einer anderen Richtung und hat in einer Seitenstraße statt auf dem großen Parkplatz geparkt, daher haben wir sie nicht gesehen. Dann haben wir uns eben nur zu zweit angemeldet (was wir eigentlich immer geschlossen als Team machen sollten), und sind den anderen zu unserer Umkleide gefolgt.

            In der Umkleide angekommen, suchten wir uns alle einen Platz und richteten uns ein. Dabei bemerkten wir eine riesige Wasserpfütze, die aus dem Bad kam, das die Umkleide unserer Turnierformation und die der Standard A-Formation miteinander verband. Während diese beseitigt wurde, begannen manche bereits mit dem Haare machen und wir bereiteten uns für die Stellprobe vor.

Die Stellprobe

            Unsere Stellprobe ging von 10:10 bis 10:30 Uhr. Diese 20 Minuten sind mir erstaunlich lang vorgekommen – letztes Jahr hatten wir gefühlt weniger Zeit. So konnten wir unser Stück sogar zweimal ganz durchtanzen und zwischendurch notwendige Veränderungen besprechen. Nach dem zweiten Durchgang war ich aber ziemlich fertig und hatte Sorge um meinen Kreislauf, der sich wieder kritisch ankündigte… In der Umkleide konnte ich dieses Problem aber kurz darauf schnell mit Traubenzucker und viel Wasser beheben 🙂

Zwischen Stellprobe und Vorrunde

            Nun hatten wir erst mal drei Stunden Free Time. Also Zeit zum Schminken, Haare machen, trainieren, Reels drehen usw. Wir sind erst mal ein bisschen an die frische Luft gegangen und haben mit einem weiteren Formationsmitglied „Uno No Mercy“ gespielt. Als dann auch die Standard A-Formation mit der Stellprobe fertig war, sind alle rausgekommen und wir haben mit allen Anwesenden den ersten Teil eines Reels aufgenommen. Obwohl ich persönlich davon grundsätzlich kein großer Fan bin, war das mit allen zusammen ziemlich lustig, wie wir draußen über das Handy gesprungen sind. Nach mehreren Versuchen haben es dann alle hingekriegt und wir sind wieder in die Umkleide gegangen, um uns weiter herzurichten. Um 13:30 Uhr war schließlich gemeinsamer Treffpunkt für alle fertig im Kostüm zum Aufwärmen.

Die Vorrunde

            Die Vorrunde begann wie immer mit der Vorstellung der Formationen, bei der alle teilnehmenden Standardformationen einmal lächelnd über die Tanzfläche stolzieren und sich präsentieren. Das ist noch der entspannte Teil, bei dem ich eigentlich nicht nervös war. Danach ging es aber direkt mit dem ersten Auftritt weiter und die Nervosität stieg. Während ich im Kopf noch einmal die Stellen durchging, die mir am schwersten fallen, stellten wir uns auch schon vor der Türe auf. Nach letzten Motivationssprüchen und Teambuildingmaßnahmen ging es auch schon auf die Tanzfläche. Der Auftritt verging für mich wie im Flug und ich kann mich auch an nicht mehr allzu viel erinnern. Eine Sache ist allerdings hängen geblieben… Mein Fuß zum Beispiel! Nachdem ich aus meinem Schuh rausgerutscht bin, hat er sich so blöd am Schuh aufgehängt, dass ich mehrere Takte lang nicht mehr reingekommen bin. Zum Glück standen mein Tanzpartner und ich zu diesem Zeitpunkt ganz hinten in der Reihe und es ist sonst niemandem groß aufgefallen. Außer mir natürlich, mein Puls ging noch viel schneller, als er es wegen der Nervosität eh schon tat. Aber als ich dann wieder in meinen Schuh gefunden habe, war ich sehr erleichtert. Gerade nochmal gut gegangen!

            Und schon war der erste Auftritt auch wieder vorbei. Kaum hatten wir die Halle verlassen, fiel die Anspannung von mir ab und ich war zufrieden, dass wir es alle geschafft haben. Doch leider hielt dieses Gefühl nicht lange an, weil ich gleich merkte, dass irgendwas nicht stimmte. Eine unserer Tänzerinnen hat sich bei der Hebefigur ganz am Anfang des Stücks verletzt und trotzdem alles bis zum Schluss durchgezogen, ohne sich nach außen hin etwas anmerken zu lassen. Sobald der Auftritt aber vorbei war, sah man ihr die Schmerzen ins Gesicht geschrieben stehen und wir informierten sofort die Sanitäter. Diese kamen schnell und kümmerten sich um sie, was nicht ihr einziger Einsatz bei uns an diesem Tag war. Aber dazu später mehr…

Zwischen Vorrunde und Finale

            Zwischen der Vorrunde und dem Finale lagen diesmal mehrere Stunden, da das Turnier gestaffelt war und zwischendrin noch die Oberliga Latein Süd auftrat. Wir haben uns also erst mal unsere Trinkflaschen geschnappt und sind nach draußen an die frische Luft gegangen. Dort haben wir uns mit anderen Formationsmitgliedern unterhalten und dabei festgestellt, dass es auch dem Tanzpartner der verletzten Tänzerin nicht gut geht. Zunächst dachten wir uns dabei aber noch nicht allzu viel, weil ja noch genug Zeit bis zum nächsten Auftritt war, in der es wieder besser werden könnte. Als wir etwas später wieder zurück in die Umkleide kamen, wurden wir allerdings leider eines Besseren belehrt… Oder eher eines Schlechteren: Die Sanitäter mussten nun schon zum zweiten Mal anrücken, um eben genanntem Tänzer zu helfen. Es wurde nämlich nicht besser, sondern nur immer schlechter. Also stellte sich die restliche Formation auf einen Auftritt mit nur fünf statt sechs Paaren ein, da klar war, dass die beiden Verletzten nicht auftreten können. Während sie sich in der Umkleide ausruhten, suchten wir restlichen Tänzer:innen zusammen mit unserer Trainerin draußen einen Platz für ein letztes Training. Schließlich trainierten wir in der prallen Sonne bei viel zu hohen Temperaturen für Anfang März und auf Pflaster mit Straßenschuhen. Nicht die besten Voraussetzungen, aber es hat dennoch etwas gebracht. Zurück in der Umkleide bereiteten wir uns auf unseren Auftritt im Finale vor. Für mich wuchs der Druck immer mehr, da ich Angst hatte, dass mein Kreislauf mich an diesem anstrengenden Turniertag im Stich lässt. Wenn ich auch noch ausfalle, dürften wir nicht mehr auftreten. Nachdem sich dann auch noch ein Band an meinem Kleid löste, lagen meine Nerven blank. Zum Glück konnte das schnell wieder angenäht werden und ich war bereit für einen weiteren Auftritt.

Finale und Siegerehrung

            Nach einer gefühlten Ewigkeit (um 16:30 Uhr) begann schließlich das Finale. Nun hieß es noch einmal alles geben. Einerseits weil es jetzt drauf ankam und wir bewertet wurden, andererseits aber auch noch viel mehr „für Thomas und Verena“ – wie wir uns unmittelbar vor dem Auftritt gegenseitig motivierten. So marschierten wir also mit unseren fünf verbliebenen Paaren ein und tanzten, was das Zeug hält 🙂 Von diesem Auftritt ist mir noch weniger in Erinnerung geblieben. Was vielleicht gar nicht so schlimm ist, nachdem es davor nur Negatives war…

            Was mir allerdings in Erinnerung geblieben ist, ist die Zeit zwischen unserem Auftritt und der Siegerehrung. Da wir als letzte im Finale tanzten, sind wir gleich in der Halle
geblieben und haben dort kurze Zeit auf die Siegerehrung gewartet. Nach diesem langen und anstrengenden Tag und dem noch anstrengenderen Auftritt machte sich allerdings mein Kreislauf kritisch bemerkbar und mir wurde schwindelig. Damit hatte ich zuvor schon gerechnet und habe meinem Freund vorsorglich einen Traubenzucker in die Hosentasche gesteckt. Diesen nahm ich gleich, allerdings wurde es nicht direkt besser. Damit es nicht noch schlechter wird, setzte ich mich vorsichtshalber auf den Boden, weil das lange Stehen in den Tanzschuhen auch nicht gerade förderlich ist. Wirklich nur VORSICHTSHALBER, damit es schnell wieder besser wird und ich bei der Siegerehrung wieder gut auf den Beinen bin. Das erregte allerdings Aufsehen und mir brachte direkt jemand eine Flasche Wasser vom Tisch der Wertungsrichter:innen. Auch wenn mir das etwas unangenehm war, nahm ich dieses dankbar an. Damit wäre es für mich erledigt gewesen, allerdings sah das eine Wertungsrichterin auf der anderen Seite der Halle als Aufforderung, die Sanitäter zu mir zu schicken. Diese rückten also mit ihrem Rucksack an und ich versicherte ihnen, dass es mir gut geht, ich nur kurz Pause, etwas zu trinken
und einen Traubenzucker brauche und es mir dann gleich wieder besser geht. Nach etwas Überzeugungsarbeit traten sie ihren Rückzug an und kurz darauf stand ich auch schon wieder auf den Beinen.

            Schließlich wurde unsere Wertung bekannt gegeben: 2 – 3 – 2 – 3 – 2 – 3. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir noch unsicher, ob wir damit den zweiten oder den dritten Platz belegen. Es stellte sich aber bald heraus, dass die ersten drei Wertungen von den unteren Wertungsrichter:innen kamen und damit stärker gewichtet sind. Somit belegten wir in dieser Saison zum dritten und letzten Mal den 2. Platz der 2. Bundesliga Süd-West Standard. Und das, obwohl wir nur mit fünf Paaren aufgetreten sind, im Gegensatz zu den meisten anderen Formationen mit acht Paaren. Fast genauso sehr wie über unsere Platzierung freuten wir uns allerdings für den Rot-Weiss-Klub Kassel A, die ganz knapp hinter uns den 3. Platz belegten. Nachdem sie bei unserem Heimturnier in Weiden den 4. Platz erreichten, freuten wir uns nun umso mehr für sie, dass sie es ein zweites Mal auf den 3. Platz geschafft haben. Natürlich feierten wir daneben aber ebenso den 4. Platz unserer Standard A-Formation, die uns überhaupt erst ermöglicht haben, diese Saison Turniere stattfinden zu lassen.

            Schließlich ging es auch schon ein letztes Mal für diesen Tag auf die Bühne zur Siegerehrung. Wir klatschten, lachten und genossen den Applaus. Zusammen mit den anderen Formationen freuten wir uns über die erfolgreich gemeisterten Auftritte. Glücklich und zufrieden stellten wir uns mit unserer Urkunde und dem Pokal für ein gemeinsames Gruppenfoto mit allen drei anderen Standard-Formationen auf. Nach weiteren Fotosessions und einem Abschluss-Wiener Walzer auf der Tanzfläche machten wir uns auf den Weg zurück zur Umkleide. Allerdings nicht ohne einen kurzen Zwischenstopp am Gang, wo wir noch den zweiten Teil unseres zuvor begonnenen Reels aufnahmen.

Abschluss und Heimfahrt

            Während wir in der Umkleide unsere sieben Sachen (oder so) zusammenpackten, rückten die Sanitäter noch ein letztes Mal an. Als kleine Aufmerksamkeit für ihre vielen Einsätze bei uns (ob wirklich nötig oder auch nicht) sammelten wir etwas Geld zusammen, um uns bei ihnen zu bedanken.

            Als wir die Umkleide leer geräumt hatten, begleiteten mein Freund und ich unser Team noch bis zum Bus und halfen dabei beim Tragen von Taschen. Dort verabschiedeten wir uns von allen und wünschten ihnen eine gute Heimreise. Allerdings nicht für lange… Bereits nach wenigen Minuten Fahrt (wir auf dem Rückweg zu unserem AirBnB, der Rest im Bus auf dem Weg zurück nach Weiden) trafen wir uns alle an einer Tankstelle wieder 🙂 Nach einer weiteren Verabschiedung trennten sich dann unsere Wege tatsächlich bis zum nächsten Training. Während die anderen ca. vier Stunden nach Hause brauchten, kamen wir bereits nach fünf Minuten an. Zufrieden und erschöpft fielen wir nach diesem langen und ereignisreichen Tag ins Bett.

Rüsselsheim – und es kommt immer anders als geplant

Bus gesucht, Umkleide geflutet, Schuhe verloren, Kleid gerettet, Reels gedreht und zwischendurch natürlich noch getanzt. 😄
Dieser Turniertag hatte wirklich alles zu bieten!
Hier findet ihr die Bilder zu einem ereignisreichen Saisonabschluss voller Teamgeist, Nervenkitzel und jeder Menge besonderer Momente.

Music – Wiener Walzer

Disney

    Music – Anfangsbild

    Music – Wiener Walzer

    Selina Kellner

    Autorin

    „Somit belegten wir in dieser Saison zum dritten und letzten Mal den 2. Platz der 2. Bundesliga Süd-West Standard. Und das, obwohl wir nur mit fünf Paaren aufgetreten sind, im Gegensatz zu den meisten anderen Formationen mit acht Paaren.“